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Auswanderung
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Auswanderung oder Emigration (von lateinisch ex, e ‚hinaus‘ und migrare ‚wandern‘) ist das Verlassen eines Heimatlandes auf Dauer. Emigranten oder Auswanderer verlassen ihre Heimat aus wirtschaftlichen, religiösen, politischen, beruflichen oder persönlichen GrĂŒnden. Auf die Auswanderung aus einem Land folgt die Einwanderung (Immigration) in ein anderes. Der Wohnsitzwechsel innerhalb eines festgelegten Gebietes wird hingegen als Binnenmigration bezeichnet. Meist wandern Einzelpersonen oder einzelne Familien aus; in der Geschichte gab es aber auch Auswanderungen von großen Bevölkerungsgruppen.

Laut Artikel 13 der Allgemeinen ErklĂ€rung der Menschenrechte hat jeder Mensch das Recht, „sich innerhalb eines Staates frei zu bewegen und seinen Aufenthaltsort frei zu wĂ€hlen“ sowie „jedes Land, einschließlich seines eigenen, zu verlassen und in sein Land zurĂŒckzukehren“.cite-ref-1[1]

In der Wissenschaft ist heute der nicht auf Auswanderung beschrÀnkte Begriff Migration gebrÀuchlicher. Neben der Migrationssoziologie beteiligen sich zahlreiche Sozialwissenschaften an der Migrationsforschung.

Eine Person hat laut statistischem Bundesamt in Deutschland einen Migrationshintergrund, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren wurde.cite-ref-2[2]

Contents

‱ Europa
‱ Deutschland
‱ Schweden
‱ Siehe auch
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Geschichte der Auswanderung

Wanderungsbewegungen hat es immer gegeben, zum Beispiel motiviert durch existenzielle Bedrohung (Hungersnöte, Kriege, Naturkatastrophen etc.) und/oder durch die Hoffnung auf bessere wirtschaftliche Bedingungen anderswo. In der Forschung spricht man von Push- und Pull-Faktoren: Push-Faktoren im Herkunftsland bewirken einen (Aus)wanderungsdruck, angebliche oder wirkliche Vorteile am Zielort (Aufnahmeland) einen (Ein)wanderungs„sog“.

Insofern hat jede Auswanderung mindestens zwei Aspekte, nÀmlich

‱ die Lage im abgebenden Land: Bevölkerungs- und Begabungsverlust, aber auch Entlastung bei knappen Ressourcen, sowie des akuten Verlustes von Einwohnern,
‱ die Lage im aufnehmenden Land: Probleme der Akkulturation (vor allem Erlernen der Sprache)cite-ref-3[3] und Integration, aber auch Zuwanderung von ArbeitskrĂ€ften, Fachwissen und kultureller Vielfalt.

Europa

In der FrĂŒhen Neuzeit war die erzwungene Emigration ganzer Bevölkerungsgruppen verbreiteter als die freiwillige Auswanderung. Beispiele dafĂŒr sind die Vertreibung der Juden aus Spanien sowie der Mauren nach 1492, die Exulantenströme protestantischer GlaubensflĂŒchtlinge seit dem 15. Jahrhundert, die zwangsweise Umsiedlung von IndianerstĂ€mmen in Reservate und spĂ€ter die Anlage von Verbrecherkolonien.

WĂ€hrend Reformation und Gegenreformation (1550–1750) mussten viele Protestanten ihre Heimat aus GlaubensgrĂŒnden verlassen, denn seit Ende des 16. Jahrhunderts wurde das Prinzip cuius regio eius religio von den FĂŒrsten immer strenger durchgesetzt. Wer nicht zur Konfession seines Landesherren ĂŒbertreten wollte, war gezwungen, das ius emigrandi (Recht auszuwandern) zu nutzen und auszuwandern. Zum Beispiel wanderten die Protestanten in Böhmen von 1620 bis etwa 1680 in mehreren Wellen aus.

Im spĂ€ten 17. Jahrhundert kam es zu mehreren Emigrationswellen von Hugenotten aus Frankreich. Als König Ludwig XIV. 1685 mit dem Edikt von Fontainebleau das Toleranzedikt von Nantes aufhob und damit den Protestantismus verbot, der vor allem in SĂŒdfrankreich weit verbreitet war, verließen Tausende von Angehörigen der protestantischen Oberschicht ihre Heimat und siedelten sich ĂŒberwiegend in England, den Niederlanden, Preußen und anderen protestantischen Territorien des Heiligen Römischen Reichs an. KurfĂŒrst Friedrich Wilhelm von Brandenburg reagierte auf die Vertreibung der Hugenotten mit dem Edikt von Potsdam.

Deutscher Sprachraum

Mittelalter

WĂ€hrend des Mittelalters wanderten in verschiedenen Wellen Menschen aus dem Heiligen Römischen Reich in die slawisch und baltisch besiedelten Gebiete östlich davon aus (Ostsiedlung). Das fĂŒhrte teils zu einer Vermischung, teils blieben die deutschen Siedler eine Minderheit, teils assimilierten sich die Zuwanderer – zum großen Teil bewirkten sie allerdings insgesamt eine Germanisierung der jeweiligen Gebiete.

Das ist der Grund fĂŒr die heutige östliche Ausdehnung des deutschen Sprachraums bzw. dessen noch grĂ¶ĂŸere östliche Ausdehnung bis zum Zweiten Weltkrieg. Weite Bereiche des heutigen Ostdeutschlands sowie die östlichen Teile Preußens gehörten um 1000 noch nicht zum Gebiet des Heiligen Römischen Reiches und wurden erst durch die Auswanderungswellen aus dem Reichsgebiet deutschsprachig (manche auch nie, z. B. Teile der ehemaligen Provinz Posen), spĂ€ter zum großen Teil auch Bestandteil des Heiligen Römischen Reichs.

Die Siedlungsbewegung in Richtung Osten setzte sich auch in der Neuzeit fort. Allerdings unter verÀnderten Rahmenbedingungen (siehe unten), und die Zielgebiete lagen oft immer weiter im Osten. Sie waren nicht immer mit dem deutschen Sprachraum verbunden und wurden zu Inseln der deutschen Sprache (zum Beispiel Wolgadeutsche, siehe unten).

DreißigjĂ€hriger Krieg und dessen Nachkriegszeit

Zu starken Emigrationsbewegungen aus wirtschaftlichen GrĂŒnden kam es nach dem DreißigjĂ€hrigen Krieg, als Arbeitsemigranten aus der ĂŒbervölkerten Schweiz (vor allem aus den Kantonen Bern, ZĂŒrich, Thurgau und aus Gebieten des heutigen Kantons St. Gallen) sowie aus Vorarlberg in den zerstörten, teilweise menschenleeren Gegenden SĂŒdwestdeutschlands ansĂ€ssig wurden und halfen, das verwĂŒstete Land wieder zu besiedeln.cite-ref-4[4]

18. Jahrhundert

Seit dem 15. Jahrhundert förderten einige Landesherren wie die Grafen zu Wied oder die Könige von Preußen die Ansiedlung von GlaubensflĂŒchtlingen im Rahmen ihrer Peuplierungspolitik durch VergĂŒnstigungen, weil sie auf Impulse fĂŒr ihre Wirtschaft hofften. So fanden 1733 auch die Salzburger Exulanten aus dem Erzstift Salzburg Aufnahme in Preußen.

In der zweiten HĂ€lfte des 18. Jahrhunderts emigrierten viele Menschen aus den deutschen Staaten nach Osten: nach Ungarn, RumĂ€nien und Russland, auch hier ermutigt durch Landesherren. In manchen Ansiedlungsgebieten blieben die Sprache und Kultur des Heimatlandes jahrhundertelang erhalten, da die Siedlungen nach außen weitgehend isoliert waren und insbesondere Heiratsverbindungen mit Einwohnern des aufnehmenden Landes fast ausgeschlossen waren. Indessen entwickelten die Auswanderer eine bedeutende Wirtschaftskraft.

Personen, die aus religiösen GrĂŒnden auswanderten, zogen darĂŒber hinaus schon im 18. Jahrhundert in die Vereinigten Staaten von Amerika, um bei der dort gewĂ€hrten Religionsfreiheit ohne Repressalien leben zu können. Das war insbesondere fĂŒr kleine religiöse Gruppierungen von Interesse. Vor allem der Staat Pennsylvania zog Menschen aller religiösen Richtungen an. Man nahmcite-ref-5[5] an, dass allein im 18. Jahrhundert ca. 200.000 Menschen aus Deutschland nach Amerika auswanderten.

19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert erreichte die um 1820 einsetzendecite-ref-6[6] Auswanderung im deutschsprachigen Raum einen Höhepunkt. Es kam verschiedentlich zu Massenauswanderungen; sie hingen unter anderem mit der konjunkturellen Entwicklung, mit Missernten und/oder mit der Demografie Deutschlands zusammen. Man kann drei Phasen der Massenauswanderung unterscheiden:

1816/1817

Der Vulkan Tambora auf der Insel Sumbawa (Indonesien) schleuderte im April 1815 so viel Asche in die AtmosphĂ€re, dass es 1815 und 1816 auf der nördlichen Halbkugel extrem nasse und kalte Sommer gab („Jahr ohne Sommer“) und die Ernte zweier Jahre ausfiel. Deshalb kam es zu einer großen Emigrationsbewegung. In SĂŒdwestdeutschland schifften sich viele Menschen auf der Donau ein und siedelten in SĂŒdrussland (Bessarabien, in der Gegend um Odessa und um Tiflis im Kaukasus). Ein kleinerer Teil der Emigranten wanderte in die Vereinigten Staaten aus.cite-ref-7[7]

1845–1865

Wiederum lösten Pauperismus und eine anhaltende Wirtschaftskrise eine Massenemigration – die grĂ¶ĂŸte des 19. Jahrhunderts – aus; nun zogen die Auswandererströme fast ausnahmslos in die Vereinigten Staaten. Dort wurden weite Landstriche erschlossen und besiedelt; man bekĂ€mpfte und vertrieb die ansĂ€ssigen indigenen Völker. Ein weiteres Motiv zur Auswanderung waren Goldfunde in Kalifornien seit 1848, die den kalifornischen Goldrausch auslösten.

Die Lage und Motive der Auswanderer dieser Zeit aus dem HunsrĂŒck nach Brasilien thematisierte Edgar Reitz in seinem 2013 erschienenen Spielfilm Die andere Heimat.

Die Paulskirchenverfassung von 1849 sah Grundrechte der FreizĂŒgigkeit im Bundesgebiet (§ 133 Abs. 1) und der Auswanderungsfreiheit (§ 136 Abs. 1) vor.cite-ref-8[8] Zuvor hatten bereits einzelne deutsche Staaten, angefangen mit Baden im Jahr 1803, eine Ausreisefreiheit festgeschrieben, und die Bundesakte vom 8. Juni 1815 hatte die Binnenwanderung ohne Abzugsgeld innerhalb des Gebiets des Deutschen Bundes ermöglicht, wobei die Auswanderung nach Übersee dem Ermessen der Einzelstaaten ĂŒberlassen geblieben war.cite-ref-9[9] Die Paulskirchenverfassung scheiterte zwar,cite-ref-10[10] gilt aber als wegweisend fĂŒr die deutschen Verfassungen des 20. Jahrhunderts.cite-ref-11[11]

Nach der gescheiterten MĂ€rzrevolution wanderten viele Deutsche aus politischen GrĂŒnden aus; sie werden auch „Achtundvierziger“ oder Forty-Eighters genannt.

Nach 1855 wanderten weniger Menschen aus, wĂ€hrend des Amerikanischen BĂŒrgerkriegs (1861–1865) fast keine. Friedrich Naumann bezifferte 1916 die Zahl der zwischen 1821 und 1912 in die USA Ausgewanderten auf 5,45 Millionen.cite-ref-12[12]

Von 1816 bis 1861 war der bayerische Matrikelparagraf einer der HauptgrĂŒnde fĂŒr das Überwiegen bayerischer Juden in der ersten jĂŒdischen Einwanderungswelle in die USA.cite-ref-13[13]

Als Teil der gleichen Auswanderungswelle wanderten auch tausende Deutsche in die australischen Kolonien aus. Ihre Zahl wird auf etwa 70.000 bis 80.000 – bis zum Ersten Weltkrieg – geschĂ€tzt.cite-ref-14[14] Die Deutschen prĂ€gten die Geschichte des Kontinentes nachhaltig.

1880er Jahre

Nach 1880 kam es noch einmal zu einer Auswanderungswelle in die Vereinigten Staaten,cite-ref-15[15] die jedoch nicht mehr die StĂ€rke der anderen Auswanderungsbewegungen erreichte. Die Auswanderung ĂŒber Bremen erfolgte jetzt grĂ¶ĂŸtenteils von Bremerhaven aus. Dort wurde seit 1850 ein Auswandererhaus betrieben, damit die Emigration mit Schiffen erfolgen konnte, die mehr Tiefgang hatten.

Bilddokumente aus der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts

BetrĂŒgereien im osteuropĂ€ischen Auswanderungsmarkt

Siehe auch

:

Auswanderungsbetrug

„In den Jahren 1889/90 standen zwei Agenten der Hapag, die ein GeschĂ€ftsbĂŒro in Auschwitz (Oswiecim) betrieben hatten, wegen fortgesetzten Betrugs vor Gericht.“

–

Agnes Bretting

:

Von der Alten in die Neue Welt.

Die beiden Agenten Jacob Klausner und Simon Herz hĂ€tten in großem Stil Eisenbahnschaffner und Beamte, Zöllner und sogar Polizisten bestochen, wird berichtet. Die WĂ€nde ihrer Agentur in Auschwitz hatten sie mit dem deutschen Reichsadler und einem PortrĂ€t des Kaisers geschmĂŒckt. Dort stand ein „Telegraph“ – ein alter Wecker. Über den sprachen sie mit Herbergen in Hamburg, Arbeitgebern in den USA oder sogar mit dem „Kaiser von Amerika“.cite-ref-17[17] Polizisten, die von Auswanderern respektiert und gefĂŒrchtet waren, erzĂ€hlten – im Auftrag der Agenten –, dass Amerika nur ĂŒber Hamburg zu erreichen sei.

„Jeder, der eine Fahrkarte oder eine Passageanweisung fĂŒr eine andere Linie als die Hapag besaß, wurde bedrĂ€ngt und zum Teil gezwungen, diese verfallen zu lassen und in der Agentur eine "richtige" zu kaufen.“

–

Agnes Bretting

:

Von der Alten in die Neue Welt.

Diese Auswanderer glaubten, ihre Auswanderung sei ungesetzlich. Viele junge MĂ€nner wollten sich auch der Wehrpflicht entziehen und hatten keinen Mut, sich den Praktiken der Agentur zu widersetzen. Wenn sie es dennoch taten, wurden sie „von einem der bestochenen Polizisten verhaftet, eingesperrt, geschlagen und auf andere Weise misshandelt, bis sie nachgaben und den Weisungen der Agenten folgten.“ Diese Agentur schloss in den spĂ€ten 1880er Jahren mit etwa 12.400 Menschen pro Jahr ÜberfahrtsvertrĂ€ge ab.cite-ref-bretting-16-2[16] Weit verbreitete Korruption im Verwaltungsapparat wird fĂŒr das Funktionieren des Systems verantwortlich gemacht.

„Zudem kamen die meisten Auswanderer, die einer geschlossenen Front von GeschĂ€ftemachern ausgeliefert waren, aus kleinen Dörfern und konnten weder lesen noch schreiben. FĂŒr diese armen Bauern war Amerika die große Hoffnung auf ein besseres Leben; sie wußten nichts ĂŒber dieses Land, aber weil sie so viele WĂŒnsche damit verbanden, waren sie bereit, fast alles zu glauben, vor allem die guten Nachrichten. [
] Das hochspezialisierte, gesetzlicher Kontrolle unterworfene System professionell betriebener Auswanderungsagenturen [
] in Westeuropa [
] galt nicht fĂŒr den osteuropĂ€ischen Auswanderungsmarkt. Skrupellose Agenten sorgten dort fĂŒr das GeschĂ€ft, von dem die deutschen Schiffahrtslinien inzwischen wirtschaftlich abhĂ€ngig waren.“

–

Agnes Bretting

:

Von der Alten in die Neue Welt.

Zum Schutz der Auswanderer entstanden Organisationen wie der Verein zum Schutze Katholischer Auswanderer (heute Raphaels-Werk), der am 13. September 1871 durch das „ComitĂ© zum Schutz deutscher Auswanderer“ auf Anregung des Limburger Kaufmanns Peter Paul Cahensly gegrĂŒndet wurde.

20. Jahrhundert bis 1945

In der Zeit der Inflation nach dem Ersten Weltkrieg emigrierten ganze Gruppen nach Argentinien und SĂŒdbrasilien (Bundesstaaten Rio Grande do Sul und Santa Catarina). Auch hier entstanden deutschsprachige Siedlungen; ein Landstrich in SĂŒdbrasilien heißt heute noch Neu-WĂŒrttemberg.

Nach der Machtergreifung der NSDAP 1933 setzten die Judenverfolgung sowie eine vollstĂ€ndige UnterdrĂŒckung jeglicher politischen Opposition ein (siehe z. B. Gleichschaltung, Sopade / SPD im Exil). Menschen, die frĂŒh genug die Gefahr erkannten, genĂŒgend Geld und berufliche Ausbildung hatten, verließen das Deutsche Reich mehr oder weniger freiwillig. Die Filmmetropole Hollywood profitierte vom Zustrom an kreativem Personal wie Produzenten, Regisseuren und Schauspielern. Rund 2.000 deutschsprachige Filmschaffende emigrierten wĂ€hrend der Zeit des Nationalsozialismus.cite-ref-18[18] Der spĂ€tere Filmklassiker Casablanca (1942) war beispielsweise ĂŒberwiegend mit eingewanderten Schauspielern besetzt.

BerĂŒhmte Emigranten waren beispielsweise im 20. Jahrhundert der Naturwissenschaftler Albert Einstein, die Mediziner Philipp Schwartz, Rudolf Nissen und Erich Frank, die Schriftsteller Thomas Mann, Heinrich Mann, Oskar Maria Graf, Erich Maria Remarque, Anna Seghers, Ernst Karl Winter, Arnold Zweig, Ludwig Renn und Bertolt Brecht, die Politiker Willy Brandt und Ernst Reuter sowie die Regisseure Billy Wilder, Fritz Lang und Douglas Sirk, die Deutschland wĂ€hrend der Zeit des Nationalsozialismus verließen und z. B. in die USA oder die TĂŒrkeicite-ref-19[19] emigrierten. Unter denen, die Deutschland in der NS-Zeit zwangsweise verließen, waren auch viele UniversitĂ€tsprofessoren, zum Beispiel der Karlsruher Professor fĂŒr Physikalische Chemie Georg Bredig, der Kölner Professor fĂŒr Zoologie Ernst Bresslau, der Hallenser Professor fĂŒr Altgriechische Philologie Paul FriedlĂ€nder, der Aachener Professor fĂŒr Technische Chemie Walter Fuchs, der Frankfurter Professor fĂŒr Physik Karl Wilhelm Meissner, der Berliner Professor fĂŒr Physik Peter Pringsheim, der Breslauer Professor fĂŒr Physik Fritz Reiche, der Berliner Professor Kurt Lewin u. a.

‱ Siehe dazu auch: die Namensliste / Kategorie der Emigranten zur Zeit des Nationalsozialismus

Etwa 10.000 Emigranten aus Deutschland und Österreich dienten wĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges in der britischen Armee und kĂ€mpften so gegen das NS-Regime.cite-ref-20[20]

Nach 1945

Nach 1945 kam es zu einer vorsichtigen RĂŒckwanderung (Remigration) von einzelnen Personen in die beiden deutschen Staaten. Im Westen Deutschlands erlebten sie zum Teil offene Anfeindungen dafĂŒr, dass sie im Ausland gegen die Nazi-Politik direkt oder indirekt Stellung bezogen hatten. Einige Emigranten lehnten eine Remigration grundsĂ€tzlich ab; einige von ihnen wollten nie wieder „deutschen Boden“ betreten und proklamierten / begrĂŒndeten das auch öffentlich.

Unter den Emigranten waren auch TĂ€ter des Nazi-Regimes aus Deutschland, die zur Flucht vor einer Strafverfolgung die sogenannten Rattenlinien nutzten. Bis Sommer 1949 konnten aber nur wenige Deutsche auswandern, da der Emigration politische Hindernisse entgegenstanden. Diese Hindernisse wurden erst mit der GrĂŒndung der Bundesrepublik Deutschland abgebaut.

Nach 1945 emigrierten viele Menschen aus Deutschland zum Beispiel nach Australien und SĂŒdamerika, in erster Linie wegen der ökonomischen Perspektivlosigkeit der unmittelbaren Nachkriegszeit, die erst mit der WĂ€hrungsreform und dem folgenden Wirtschaftswunder endete. Hinzu kamen bei Wissenschaftlern die von den Alliierten erlassenen ForschungseinschrĂ€nkungen, die in Deutschland bis 1955 in Kraft blieben.

In den Jahren 1945 bis 1990 verließen mehrere Millionen Menschen die SBZ bzw. deren Folgestaat, die DDR, als FlĂŒchtlinge ganz ĂŒberwiegend aus Unzufriedenheit mit dem angestrebten sozialistischen Gesellschaftsmodell und um in Westdeutschland zu leben. Die Massenflucht wurde durch die Errichtung der Berliner Mauer im August 1961 gestoppt. Sie entwickelte sich ab dem Sommer 1989 erneut dynamisch und beschleunigte den Zusammenbruch der DDR.

Im Jahr 2015 wanderten etwa 140.000 Deutsche aus ihrem Heimatland aus,cite-ref-21[21]cite-ref-welt-2018-03-13-22-0[22] im Jahr 2016 waren es 281.000cite-ref-23[23] und im Jahr 2017 waren es 249.000 Deutsche.cite-ref-24[24]

Die Zahl der jÀhrlich aus Deutschland fortziehenden AuslÀnder ist um ein Vielfaches höher (siehe hierzu: Wanderungsbilanz Deutschlands).

Hygienische VerhÀltnisse auf den Auswandererschiffen

Die VerhÀltnisse auf den Auswandererschiffen waren zunÀchst ein Alptraum:

„Rund 400 Personen erlebten zum Beispiel im Zwischendeck des Segelschiffes "Bremen" die Überfahrt nach Amerika. Eine Separierung von kranken und gesunden Auswanderern war aufgrund des Platzmangels nicht möglich, so dass sich Krankheiten schnell ausbreiten konnten.“

–

Sonntagsjournal der

Nordsee-Zeitung

, 16. Mai 2021, S. 4

Erst 1870 Ànderte sich das: Die beiden HansestÀdte Bremen und Hamburg beschlossen in Gesetzen, dass kranke und gesunde Auswanderer getrennt werden mussten.

„Mit der EinfĂŒhrung der Dampfschiffe verbesserte sich die Situation deutlich. Es wurden SchiffsĂ€rzte eingestellt, und grĂ¶ĂŸere RaumkapazitĂ€ten ermöglichten die Einrichtung von BehandlungsrĂ€umen.“

–

Tanja Fittkau

:

Wissenschaftliche Mitarbeiterin am

DAH

Bremerhaven; Sonntagsjournal der Nordsee-Zeitung, 16. Mai 2021, S. 4

Mehrere GrĂŒnde gab es fĂŒr die Ausbreitung von Krankheiten auf den frĂŒhen Auswandererschiffen: Es fehlten sanitĂ€re Anlagen, Schmutz und AbfĂ€lle wurden oft einfach auf den Boden geworfen, es mangelte an Reinigung und in den SchiffsrĂ€umen herrschte Enge und Feuchtigkeit. Desinfektionsmittel gab es in den damaligen Zeiten noch nicht. Die Reedereien ließen die Schiffe mit Wacholderbeeren, Essig oder Schwefel ausrĂ€uchern. Wenn die Reedereien sie bereitstellten, gab es eine kleine Medizinkiste mit Medikamenten. Den Auswanderern fielen die hygienischen VerhĂ€ltnisse oft gar nicht auf; denn auch in ihren Heimatorten – oft auf dem Land – gab es keine Mediziner und man konnte sie sich finanziell nicht leisten,

„1854 standen auf dem Segelschiff "Bremen" nur Eimer zur VerfĂŒgung, eine Toilette gab es im Zwischendeck zu diesem Zeitpunkt noch nicht.“

–

Tanja Fittkau

:

Wissenschaftliche Mitarbeiterin am

DAH

Bremerhaven; Sonntagsjournal der Nordsee-Zeitung, 16. Mai 2021, S. 4

In spĂ€teren Zeiten, z. B. auf der "Columbus 1929, standen den Passagieren auch in der dritten Klasse Mehrbettkabinen mit Waschmöglichkeiten zur VerfĂŒgung. Auf der "Lahn" gab es 1887 schon WCs und GruppenwaschrĂ€ume.

GrĂŒnde fĂŒr eine Auswanderung

Eine Auswanderung gibt es in nahezu allen LĂ€ndern der Erde aus verschiedenen GrĂŒnden:

‱ wegen besserer Arbeits- und Lebensbedingungen (besonders fĂŒr angeworbene ArbeitskrĂ€fte, in Deutschland beispielsweise Gastarbeiter; FachkrĂ€fte, die keine angemessene Arbeit finden, bzw. der hohen Steuer und Sozialabgabenlast entkommen wollen). (Sie werden abwertend auch WirtschaftsflĂŒchtlinge genannt.)
‱ Vermeidung von Steuerlast durch Personen mit hohen EinkĂŒnften oder Vermögenswerten
‱ aus politischen GrĂŒnden (beispielsweise politisch verfolgte Systemkritiker und Dissidenten (meist in Diktaturen) oder polizeilich verfolgte StraftĂ€ter)
‱ aus religiösen oder sprachlich-kulturellen GrĂŒnden
‱ zur Erhöhung der LebensqualitĂ€t bei gesichertem Lebensstandard (z. B. Emigration von Rentnern aufgrund besserer klimatischer Bedingungen in den „sonnigen SĂŒden“ etwa in die Toskana, nach Mallorca, auf die Kanarischen Inseln, oder in den „Sunshine State“ Florida)
‱ als FlĂŒchtlinge wegen akuter Bedrohung durch Krieg, BĂŒrgerkrieg, Naturkatastrophen, Hungersnot oder durch gezielte Vertreibung. (NĂ€heres unter Fluchtursachen.)
‱ in frĂŒheren Zeiten aufgrund von Versklavung
‱ aufgrund von im Zielland wartenden Familienangehörigen und Bekannten.

Formen der Behinderung von Auswanderung sind Grenzbefestigungen, die ein heimliches Verlassen unmöglich machen (z. B. beim Eisernen Vorhang in Mitteleuropa oder bei der Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko) aber auch fehlende Finanzen zur Deckung der Transportkosten (Armut).

Andererseits kann die Auswanderung staatlich gefördert werden, um die allgemeine Arbeitslosigkeit zu verringern, zum Beispiel in den 1960er Jahren in der TĂŒrkei, oder um gezielt unerwĂŒnschte arbeitslose AuslĂ€nder mit ihren Familien loszuwerden, so zum Beispiel in Spanien.cite-ref-25[25]cite-ref-26[26]

Nach dem Auswandererschutzgesetz von 1975 ist die geschĂ€ftsmĂ€ĂŸige Beratung von an Auswanderung Interessierten in Deutschland eine erlaubnispflichtige TĂ€tigkeit. Auch die Anreizung zur Auswanderung durch geschĂ€ftsmĂ€ĂŸige Werbung ist verboten. Verboten ist eine UnterstĂŒtzung von Auswanderern durch Unternehmen, internationale Einrichtungen oder auslĂ€ndische Regierungen mit Zahlungshilfen, es sei denn, die Auswanderung erfolgt in Staaten der EuropĂ€ischen Gemeinschaft. Damit will der Gesetzgeber verhindern, dass die Unsicherheit von Auswanderungswilligen finanziell ausgenutzt wird.

Emigration in verschiedenen LĂ€ndern

Es gibt klassische AuswanderungslĂ€nder wie die Staaten der sog. Zweiten und Dritten Welt (EntwicklungslĂ€nder). Aber auch aus Staaten der Ersten Welt wandern Menschen aus, wie beispielsweise aufgrund Arbeitsmigration aus Polen, aus RumĂ€nien und aus der TĂŒrkei. DarĂŒber hinaus gibt es auch LĂ€nder, die Emigration nicht begrenzen mĂŒssen, weil sich aufgrund ihrer wirtschaftlichen StĂ€rke oder sonstiger attraktiver Lebensbedingungen kein oder nur minimaler Emigrationsdruck aufbaut, zum Beispiel in den Vereinigten Staaten. Umgekehrt gefĂ€hrdet massive Auswanderung, besonders wenn sie gemeinsam mit einer niedrigen Geburtenrate auftritt, die volkswirtschaftliche Zukunft von LĂ€ndern. Aktuell ist dies insbesondere in einigen osteuropĂ€ischen LĂ€ndern wie Bulgarien, RumĂ€nien, Ungarn oder Serbien der Fall, insbesondere, wenn die Auswanderung durch EU-FreizĂŒgigkeitsabkommen stark vereinfacht wird. In diesen LĂ€ndern fĂŒhrt die lang anhaltende Auswanderung zum RĂŒckgang und zur raschen Alterung der Gesamtbevölkerung.

Deutschland

2006 wanderten 18.242 Deutsche von Deutschland in die Schweiz, in die USA 13.200, nach Österreich 10.300, nach Großbritannien 9.300, nach Polen 9.100, nach Spanien 8.100, nach Frankreich 7.500, nach Kanada 3.600, in die Niederlande 3.400 und in die TĂŒrkei 3.300 aus. Insgesamt emigrierten 144.815 Deutsche.cite-ref-27[27] Im gleichen Zeitraum zogen ca. 128.000 Deutsche vom Ausland nach Deutschland. Insgesamt betrug die Zahl der Netto-Auswanderung 2005 somit ca. 17.000, was ungefĂ€hr 0,02 % der Bevölkerung entspricht.cite-ref-28[28] Weiterhin gibt es erhebliche Unterschiede innerhalb der Bundesrepublik, so findet erhöhte Auswanderung aus den nördlichen BundeslĂ€ndern statt, wĂ€hrend die Entwicklung in Bayern genau umgekehrt verlĂ€uft: Die Bevölkerung steigt kontinuierlich und Auswanderung von gebĂŒrtigen Bayern gilt als ungewöhnlich.

Absolut – also losgelöst von der Frage der StaatsbĂŒrgerschaft – sind im Jahre 2009 734.000 Menschen aus Deutschland ausgewandert. Im gleichen Zeitraum sind 721.000 nach Deutschland migriert. Davon waren 606.000 nicht deutscher StaatsbĂŒrgerschaft.cite-ref-29[29]

Im Jahre 2005 haben sich 160.000 Deutsche offiziell abgemeldet. GeschĂ€tzt wird die tatsĂ€chliche Zahl (incl. derer, die sich nicht abmelden) auf 250.000. Dies ist die höchste registrierte Auswanderung aus der Bundesrepublik seit 1950.cite-ref-30[30] Es sind insbesondere gut ausgebildete Fachleute, die emigrieren.cite-ref-31[31]cite-ref-32[32] Klaus J. Bade, Professor fĂŒr Neueste Geschichte an der UniversitĂ€t OsnabrĂŒck und Migrationsexperte, spricht in dem Zusammenhang sehr pointiert von einer „migratorisch suizidalen Situation“ fĂŒr Deutschland.cite-ref-33[33] Heinrich Alt, Bundesagentur-fĂŒr-Arbeit-Vorstand, sagt (in Bezug auf arbeitsfĂ€hige Personen): „Es gehen derzeit mehr InlĂ€nder ins Ausland als AuslĂ€nder nach Deutschland kommen.“cite-ref-34[34] Besondere Bedeutung fĂŒr die deutsche Einwanderung in die Schweiz hat die geografische Nachbarschaft, die deutschsprachige Umgebung und insbesondere das schweizerische Steuerrecht, das hohe Vermögenswerte weniger stark besteuert, als dies in Deutschland der Fall ist. Die Schweiz hatte in den 2000er Jahren statistisch betrachtet von Jahr zu Jahr eine immer grĂ¶ĂŸere Einwanderung von Deutschen.

Dem Thema Auswanderung sind in Bremerhaven, Hamburg und Oberalben Museen gewidmet (siehe unten) und an anderen Standorten gehen Museumsabteilungen zum Beispiel auf regionale Auswanderungswellen oder die Vertreibung von Juden aus Deutschland ein. Auswanderung ist zudem ein Thema, das hĂ€ufig im Fernsehen thematisiert wird. So zeigte die ARD als ein Living-History-Projekt 2004 mit der Reihe „WindstĂ€rke 8“ eine viel beachtete Zeitreise von insgesamt 37 Personen, die wie anno 1855 den Atlantik mit dem Traditionssegelschiff Bremen ĂŒberqueren.cite-ref-35[35] Der Medienwissenschaftler Thomas Waitz hat in einer Untersuchung, die sich mit den Problematisierungen von Auswanderung im Fernsehen beschĂ€ftigt, festgehalten: „[A]nders als bei den meisten anderen gesellschaftlichen PhĂ€nomenen haben sich im Hinblick auf Auswanderung eigenstĂ€ndige Programmformate mit eigenen Konventionen und narrativen Strategien entwickelt.“cite-ref-36[36] Im Jahr 2009 verließen 40.000 Personen Deutschland und zogen in die TĂŒrkei, viele von ihnen gut ausgebildet. FĂŒr Akademiker ist fehlendes HeimatgefĂŒhl mit 41,3 Prozent der am hĂ€ufigsten genannte Grund dafĂŒr, in die TĂŒrkei zu ziehen.cite-ref-37[37] (Siehe hierzu auch: TĂŒrkeistĂ€mmige in Deutschland#Auswanderung in die TĂŒrkei.)

Nachdem 2008 mit 161.105 deutschen Auswanderern ein Rekordjahr war, kehrten im Jahr 2009 offiziell nur 154.989 Deutsche ihrer Heimat den RĂŒcken. Davon siedelten allein 106.286 ins europĂ€ische Ausland, 23.462 wanderten nach Amerika aus, 14.592 nach Asien, 5.198 nach Afrika und 4.894 nach Australien bzw. Ozeanien.cite-ref-38[38] Im Jahr 2009 kehrten hingegen insgesamt 114.700 Deutsche nach Deutschland zurĂŒck. Davon kamen 74.417 RĂŒckwanderer aus europĂ€ischen LĂ€ndern, 18.718 aus Amerika, 12.685 aus Asien, 4.715 von Afrika und 3.378 von Australien bzw. Ozeanien.

Im Jahr 2010 war die Auswanderung Deutscher mit 141.000 weiterhin etwas rĂŒcklĂ€ufig. Im gleichen Jahr verließen hingegen 529.606 Nichtdeutsche das Land.cite-ref-39[39] Die HauptauswanderungslĂ€nder der Deutschen waren die Schweiz (22.034), die USA (12.986), Österreich (10.831) und Polen (9.434).cite-ref-40[40] 114.712 Deutsche kehrten zurĂŒck nach Deutschland.cite-ref-41[41] ZusĂ€tzlich wanderten 683.529 Nichtdeutsche ein.

FĂŒr das Jahr 2015 wurden 138.273 ausgewanderte Deutsche gezĂ€hlt. Zum Jahr 2016 wurde die Erhebungsmethode geĂ€ndert: Seitdem werden alle Deutschen, die sich abmelden und nirgendwo anders in Deutschland erfasst sind, in der Bevölkerungsstatistik als Auswanderer gezĂ€hlt (Deutsche, die im Land untertauchen, werden also mitgezĂ€hlt, wobei man hier von einem sehr geringen Anteil ausgeht). Bis 2015 wurden FortzĂŒge von Deutschen nur dann als Auswanderung erfasst, wenn der neue Wohnort im Ausland bekannt war. Die Zahl der ausgewanderten Deutschen war 2016 nach der neuen Erhebungsmethode 281.411, nach der frĂŒheren Erhebungsmethode wĂ€ren es etwa 131.000 gewesen.cite-ref-welt-2018-03-13-22-1[22]

Siehe auch

:

Bildungsmigration

,

Ärztemangel#Auswanderung deutscher Ärzte

und

Remigration

Österreich

In Österreich waren vor allem die Gebiete der westungarischen Komitate, die 1921 im Zuge der Landnahme des Burgenlandes zu Österreich kamen, das Auswanderungsland schlechthin.cite-ref-42[42] So wanderten SchĂ€tzungen zufolge bis zum Jahre 1923 etwa 40000 BurgenlĂ€nder in die USA aus, sodass manche Dörfer mehr als 10 Prozent ihrer Bevölkerung verloren.cite-ref-43[43]cite-ref-44[44] Hohe Geburtenraten und sinkende Sterberaten aufgrund verbesserter Ă€rztlicher Versorgung sorgten fĂŒr einen BevölkerungsĂŒberdruck in den Dörfern, der sich durch die Amerikawanderung entlud.cite-ref-45[45]

Schweden

→

Hauptartikel

:

Schwedische Auswanderung in die Vereinigten Staaten

Zwischen 1815 und 1850 stieg die Bevölkerungszahl in Schweden vor allem durch Zuwachs auf dem Land von 2,5 auf 3,5 Millionen. Eine Lösung der daraus resultierenden sozialen Probleme bot die Auswanderung, die 1840 einsetzte und in den 1880er Jahren ihren Höhepunkt erreichte. Bis 1930 verließen mehr als 1,2 Millionen Schweden das Land.

Tschechoslowakei

Zwischen der Einverleibung des Sudetenlandes im Rahmen des MĂŒnchner Abkommens und der Okkupation durch das Dritte Reich verließen viele gefĂ€hrdete Menschen das Land. Viele von ihnen hatten bereits vorher vor den Nazis aus Deutschland fliehen mĂŒssen.

Nach dem Krieg kamen zwar viele Emigranten zurĂŒck, doch etliche verließen enttĂ€uscht rasch wieder ihre Heimat. Neben der Vertreibung der deutschen Bevölkerung verlor das Land auch Tausende von Tschechen und Slowaken. Nach der kommunistischen MachtĂŒbernahme im Februar 1948 flĂŒchteten bis zur Revolution von 1989 etwa eine halbe Million Tschechen und Slowaken in den Westen (davon 60.000 unmittelbar nach dem Februarumsturz 1948, etwa 245.000 nach der Niederschlagung des Prager FrĂŒhlings 1968) sowie nach den Ausweisungen nach der GrĂŒndung der Charta 77 im Jahre 1977.

Museen, Ausstellungen

‱ Das Deutsche Auswandererhaus ist ein Museum in Bremerhaven mit dem zentralen Thema der Auswanderung Deutscher – insbesondere in die USA – zu verschiedenen Epochen. (Es wurde eröffnet im August 2005.)
‱ Das Hamburger Auswanderermuseum BallinStadt (eröffnete im Juli 2007).
‱ Das JĂŒdische Museum Berlin zeigt dem Besucher zwei Jahrtausende deutsch-jĂŒdischer Geschichte, die Höhe- und Tiefpunkte der Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden in Deutschland. Dabei waren Immigration und Emigration oder Vertreibung/Flucht ein wiederkehrender Topos. Das Museum beherbergt unter anderem eine Dauer- und Wechselausstellungen sowie Forschungseinrichtungen.
‱ Das Auswanderermuseum Oberalben thematisiert insbesondere die Auswanderung aus der Pfalz.
‱ Das DonauschwĂ€bische Zentralmuseum in Ulm thematisiert die Auswanderung nach Ungarn (heute Ungarn, RumĂ€nien, Serbien, Kroatien) im 18. Jahrhundert, das multiethnische Zusammenleben an der mittleren Donau sowie Flucht und Vertreibung von Deutschen als Folge des Zweiten Weltkriegs.
‱ In den HAPAG-Hallen am Steubenhöft in Cuxhaven befindet sich eine Dauerausstellung „Abschied nach Amerika“. Thematisiert wird die Auswanderung ĂŒber Hamburg/Cuxhaven mit Schiffen der Reederei HAPAG nach Nordamerika.

Siehe auch
Literatur

‱ Bruno Abegg, Barbara LĂŒthi, Verein Migrationsmuseum Schweiz (Hrsg.): Small Number – Big Impact. Schweizer Einwanderung in die USA. Verlag NZZ, 2006, ISBN 3-03823-259-9.
‱ Klaus J. Bade: Deutsche im Ausland – Fremde in Deutschland, Migration in Geschichte und Gegenwart. Beck, MĂŒnchen 1992, ISBN 3-406-35961-2.
‱ Simone Blaschka-Eick: In die Neue Welt. Deutsche Auswanderer in drei Jahrhunderten. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2010, ISBN 978-3-498-01673-9.
‱ Ljubomir Bratić mit Eveline Viehböck: Die zweite Generation. Migrantenjugendliche im deutschsprachigen Raum. Österr. Studien-Verlag, Innsbruck 1994, ISBN 3-901160-10-8.
‱ Manfred P. Emmes, Deutsche Massenauswanderung in den vergangenen drei Jahrhunderten und RĂŒckwirkungen auf die Außenbeziehungen Deutschlands. Romeon-Verlag, 2021, ISBN 978-3-96229-215-7.
‱ Hans-Ulrich Engel: Deutsche unterwegs. Von der mittelalterlichen Ostsiedlung bis zur Vertreibung im 20. Jahrhundert. Olzog, MĂŒnchen 1983, ISBN 3-7892-7173-X.
‱ Thomas Fischer, Daniel Gossel (Hrsg.): Migration in internationaler Perspektive. allitera, MĂŒnchen 2009, ISBN 978-3-86906-041-5.
‱ Manfred Hermanns: Weltweiter Dienst am Menschen unterwegs. Auswandererberatung und AuswandererfĂŒrsorge durch das Raphaels-Werk 1871–2011. Pallotti Verlag, Friedberg 2011, ISBN 978-3-87614-079-7.
‱ Dirk Hoerder: Cultures in Contact: World Migrations in the Second Millennium. Duke University Press, Durham, N.C. 2002.
‱ Dirk Hoerder, Diethelm Knauf (Hrsg.): Aufbruch in die Fremde, EuropĂ€ische Auswanderung nach Übersee. Edition Temmen, Bremen 1992, ISBN 3-926958-95-2.
‱ Dirk Hoerder: Geschichte der deutschen Migration. C.H. Beck, MĂŒnchen 2010, ISBN 978-3-406-58794-8.
‱ Jour-Fixe-Initiative Berlin (Hrsg.): Fluchtlinien des Exils. Unrast Verlag, MĂŒnster 2004, ISBN 3-89771-431-0.
‱ Evelyn Lacina: Emigration 1933–1945. Sozialhistorische Darstellung der deutschsprachigen Emigration und einiger ihrer AsyllĂ€nder aufgrund ausgewĂ€hlter zeitgenössischer Selbstzeugnisse. Klett-Cotta, Stuttgart 1982, ISBN 3-608-91117-0.
‱ Dirk Oltmanns (Hrsg.): Auswanderung aus dem Oldenburger Land in die USA. Einzelschicksale mit HintergrĂŒnden, Briefen und Fotos. Oldenburg 2019.
‱ Walter G. Rödel, Helmut Schmahl (Hrsg.): Menschen zwischen zwei Welten. Auswanderung, Ansiedlung, Akkulturation. WVT Trier, Trier 2002, ISBN 3-88476-564-7 (Schwerpunkt deutsche Nordamerikaauswanderung im 18. und 19. Jahrhundert).
‱ Joachim Schöps (Hrsg.): Auswandern. Ein deutscher Traum. Rowohlt TB-V, 1986, ISBN 3-499-33028-8.
‱ Bremerhaven, Hygienisch ein Alb[!]traum, Infektionsschutz war bereits auf Auswandererschiffen ein Thema. In: Sonntagsjournal der Nordsee-Zeitung, 16. Mai 2021.

Zur jĂŒdischen Auswanderung aus dem „Dritten Reich“

‱ Juliane Wetzel: Auswanderung aus Deutschland. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Die Juden in Deutschland 1933–1945. Leben unter nationalsozialistischer Herrschaft. C.H. Beck, MĂŒnchen 1988, ISBN 3-406-33324-9, S. 413–498

Zur Emigration deutscher KĂŒnstler in die amerikanische Filmbranche:

‱ Marta Mierendorff, Walter Wicclair (Hrsg.): Im Rampenlicht der „dunklen Jahre“. AufsĂ€tze zum Theater im „Dritten Reich“, Exil und Nachkrieg. Ed. Sigma, Berlin 1989, ISBN 3-924859-92-2 (= Sigma-Medienwissenschaft, Bd. 3).

Zur Darstellung von Auswanderung im Fernsehen in Deutschland:

‱ Thomas Waitz: Auswandern. Heimat, Fremde, Fernsehen. In: Claudia Böttcher, Judith Kretzschmar, Markus Schubert (Hrsg.): Heimat und Fremde. Selbst-, Fremd- und Leitbilder in Film und Fernsehen. MĂŒnchen 2008; thomaswaitz.de (PDF; 412 kB).

Weblinks

Wiktionary: Auswanderung

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Commons

: Auswanderung

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Wikisource: Auswanderung

– Quellen und Volltexte

‱ Deutschland: Ein- und Auswanderung, 1984–2016. Grafik und Text. In: Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung / bpb.
‱ Europa: Wanderungssaldo, 2010–2015. Grafik und Text. In: Zahlen und Fakten: Europa. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung / bpb.

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Allgemeine ErklĂ€rung der Menschenrechte, Artikel 13, vom 10. Dezember 1948, auf Wikisource.
cite-note-22. ↑ Natalie Amiri: Zwischen den Welten. Von Macht und Ohnmacht im Iran. Aufbau, Berlin 2021, ISBN 978-3-351-03880-9; Taschenbuchausgabe ebenda 2022, ISBN 978-3-7466-4030-3, S. 211–212.
cite-note-33. ↑ Vgl. bereits Erich Stern: Die Emigration als psychologisches Problem. Selbstverlag, Boulogne-sur Seine 1937; neu abgedruckt in: Uwe Wolfradt, Elfriede Billmann-Mahecha, Armin Stock (Hrsg.): Deutschsprachige Psychologinnen und Psychologen 1933–1945. Ein Personenlexikon, ergĂ€nzt um einen Text von Erich Stern. Wiesbaden 2015, S. 503–551.
cite-note-44. ↑ Eberhard Fritz: Kriegsbedingte Migration als Forschungsproblem. Zur Einwanderung aus Österreich und der Schweiz nach SĂŒdwestdeutschland im spĂ€ten 17. und frĂŒhen 18. Jahrhundert. In: Matthias Asche/Michael Herr-mann/Ulrike Ludwig/Anton Schindling (Hrsg.): Krieg, MilitĂ€r und Migration in der FrĂŒhen Neuzeit (Herrschaft und soziale Systeme, Band 9). MĂŒnster 2008. S. 241–249.
cite-note-55. ↑ Zeugnisse Rheinischer Geschichte 1982 (hopman44).
cite-note-66. ↑ Max Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. Ph. C. W. Schmidt, Neustadt a.d. Aisch 1950, S. 466 f. Neuauflage 1978 anlĂ€sslich des JubilĂ€ums 150 Jahre Verlag Ph. C. W. Schmidt Neustadt an der Aisch 1828–1978. (zur Auswanderung aus Aischtaldörfern nach Amerika).
cite-note-77. ↑ Karl Stumpp: Die Auswanderung aus Deutschland nach Rußland in den Jahren 1763 bis 1862. 5. Auflage. Stuttgart 1991.
cite-note-88. ↑ Martin Heidebach: FreizĂŒgigkeit. In: staatslexikon-online.de. Abgerufen am 27. Dezember 2023.
cite-note-99. ↑ Georg Smolka: Die Auswanderung als politisches Problem in der Ära des Deutschen Bundes (1815–1866). In: Forschungsinstitut fĂŒr Öffentliche Verwaltung bei der Hochschule fĂŒr Verwaltungswissenschaften Speyer (Hrsg.): Speyer Forschungsberichte. 2. Auflage. Nr. 128, 1995, ISSN 0179-2326, S. 74–75 (uni-speyer.de [PDF; abgerufen am 27. Dezember 2023]).
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cite-note-1111. ↑ Annette Wilmes: 70 Jahre Grundgesetz: Das Erbe der Paulskirchenverfassung. In: deutschlandfunkkultur.de. 22. Mai 2019, abgerufen am 27. Dezember 2023.
cite-note-1212. ↑ Friedrich Naumann: Die amerikanische NeutralitĂ€t. In: Friedrich Naumann (Hrsg.): Die Hilfe. Wochenschrift fĂŒr Politik, Literatur und Kunst, 1916, 22. Jg., Berlin-Schöneberg, S. 125 f.
cite-note-1313. ↑ Ursula Gehring-MĂŒnzel: Die WĂŒrzburger Juden von 1803 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt WĂŒrzburg. Band III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, S. 499–528 und 1306–1308, hier: S. 500–504.
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cite-note-1717. ↑ In seinem mit dem Buchpreis zur EuropĂ€ischen VerstĂ€ndigung 2011 ausgezeichneten Buch „Kaiser von Amerika“ erzĂ€hlt Martin Pollack von einer krisenhaften Zeit, in der kein Platz fĂŒr Galizien-Romantik blieb. (Memento vom 30. November 2010 im Internet Archive) wienerzeitung.at
cite-note-1818. ↑ Helmut G. Asper: Etwas besseres als den Tod – Filmexil in Hollywood. SchĂŒren Verlag, Marburg 2002, S. 20.
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cite-note-3737. ↑ Abwanderung. Warum gut gebildete TĂŒrken Deutschland verlassen. In: Welt Online. 30. Oktober 2010, abgerufen am 1. November 2010.
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